Porzellanikon Selb – Europäisches IndustrieMuseum Selb
In den Räumen des Europäischen Industriemuseums Selb, wird eine andere, nicht minder fesselnde Geschichte erzählt: Die der Hinwendung zum seriellen Artikel mit hohem Designanspruch, die der Verwendung des Porzellans im täglichen Gebrauch oder auch die des Porzellans als Ausdruck der Individualität in Zeiten der Konsumgesellschaft.
Ob als zeitgenössisches Kunstwerk eines Jeff Koons, einer Designikone wie Wilhelm Wagenfeld, als Lifestyle Service von Versace oder Wellnesslandschaft im Sanitärbereich: Porzellan begegnet uns täglich neu und anders. Wie wir dazu stehen, was es uns bedeutet, erzählen verschiedenste Menschen aus Europa, in Filmsequenzen und Interviews.
Massenware

Der Weg zur Massenware, zur seriellen Produktion, begann bereits Ende der 1920er Jahre. Der Historismus und seine „verschnörkelten“ Formen wurden größtenteils abgelehnt. Porzellan sollte für alle erschwinglich, gut zu handhaben und zeitlos sein, kurz: Die gute Form für alle Tage! Erstmals wurde Porzellan ein für alle verfügbares Gut, preiswert, alltagstauglich und somit Massenware im positiven Wortsinn.
„Form follows function“, zu deutsch: Das Design erobert die Welt

- „Suomi“, Entwurf: Timo Sarpaneva
Rosenthal AG, Selb, 1976,
DPM Hohenberg a.d. Eger
Wie so vieles kam die europäische Idee über Umwege aus Amerika. Dort griffen zunächst Architekten die Forderung auf, dass die Form der Funktion dienen solle. Es entstanden schlichte, leicht zu handhabende Formen. Wegweisend wurde das Bauhaus, auch fürs Porzellan. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es das „Design“, das das Porzellan zum praktischen und formschönen Gegendstand machte. Design adelte und machte gleichzeitig alltagstauglich. Die besten Service und Gebrauchsartikel von weltbekannten Designern, wie Wagenfeld, Mendini oder Sarpaneva werden in der Ausstellung „auf den Sockel gehoben“ und „von allen Seiten beleuchtet“.
Zu Wasser, zu Lande und an der Wand – Bäder, Fliesen und Raumelemente aus Porzellan

Porzellan eignet sich nicht nur dazu, daraus Kaffeetassen zu machen, nein, das Spektrum ist schier unerschöpflich. Bereits das wohlhabende Bürgertum in der Gründerzeit schmückte seine Eingangshallen mit Brunnen, Fliesen aus Porzellan bedeckten Wände und Böden. Insbesondere in Portugal zieren „Azulejos“ (Fliesen) Fassaden und Innenräume. Auch für elektrifizierte Lampen empfand man seit der Zeit des Art Déco das durchscheinende Porzellan als besonders reizvoll. Säulen aus Porzellan, aber auch Wandgestaltungen wie im „Palast der Republik“ in der ehemaligen DDR sprechen von den nahezu unbegrenzten Möglichkeiten des Einsatzes. Von zeitgenössischen Designern gestaltete Badezimmer runden in der Präsentation das Bild ab.
Lifestyle – von der Lust schön zu leben

Sage mir wie du lebst und ich sage dir wer du bist! Stimmt das, oder nicht? Mit der Frage nach der Verwendung von Porzellan in den zurückliegenden Jahrzehnten und den Gründen dafür beschäftigt sich dieser Ausstellungsbereich. Filmsequenzen und Auszüge aus Zeitschriften sollen darüber Aufschluss geben: Aus welcher Tasse trank Heinz Rühmann als Schüler Pfeiffer in der Feuerzangenbowle bei seiner Vermieterin Kaffee? Oder: Was schätzt der Besucher eines „McCafe“ an der Verwendung von Porzellan anstelle von Pappbechern ? Nur einige von vielen Fragen, die auch in wiedergegebenen Interviews in der Ausstellung beantwortet werden. Daneben präsentieren sich unterschiedlichste „Lebensstile“, vom Purismus über den Landhausstil bis zur „Versace Home Collection“ in phantasievollen Inszenierungen.
300+x – auf der Suche nach dem Porzellan von „Morgen“

Wie sieht das Design von Morgen aus? Was wird sich ändern? Gibt es noch Service? Welche Antworten gibt es auf die Veränderungen der Gesellschaft? Lösungen dafür zu finden, ist die zentrale Herausforderung des beginnenden 21. Jahrhunderts. Mehrere Europäische Hochschulen für Design, Professoren und Studenten haben die Aufgabe angenommen, nach der Zukunft des Porzellans zu suchen. Die Ergebnisse, das Resultat von Experimenten und innovativen Herangehensweisen wird überraschen und verblüffen. 300+x erlaubt dem Besucher einen verblüffenden und ungewöhnlichen Blick in die Zukunft. Einblicke werden zu Ausblicken und umgekehrt.
Utopien des Alltags – wenn Künstler „in Porzellan“ machen

- „Moonhead“, Entwurf: Henry Moore, Pf. Rosenthal, Selb, 1968
Bereits die frühen Manufakturen waren auf der Suche nach Inspiration aus Künstlerhand. Zum autonomen Kunstwerk wird das Porzellan allerdings erst mit Max Adolf Pfeiffer und den Schwarzburger Werkstätten für Porzellankunst. Die Plastiken Ernst Barlachs entstanden hier. Bis heute hat Porzellan als Werkstoff seine Faszination für Künstler nicht verloren: Ob Niki de Saint Phalle, Jean Arp oder Henry Moore, alle waren begeistert von den Möglichkeiten des Materials, seiner Plastizität und Härte und den Möglichkeiten der Vervielfältigung. Neben der Präsentation der besten Arbeiten im europäischen Raum spielte auch die Gegenwart und Zukunft eine Rolle. Welche Antworten zwölf renommierte zeitgenössische Künstler im Dialog mit dem Porzellan finden – in der Ausstellung „Königstraum und Massenware“ sind die Ergebnisse zu sehen.







